Trost

Heute habe ich mein Handy in der U3 liegen lassen (inzwischen habe ich es wieder). Typische Situation: Auf einmal ist es die richtige U-Bahn-Station. Das Kind hat den Schneeanzug halb ausgezogen. Handschuhe und Mütze liegen auch herum. Auf dem Boden stehen mein Rucksack, der Kita-Rucksack und die Laptoptasche mit meinem neuen Heimarbeitslaptop. Ich schreie: Oh, wir sind da! und reiße dem Kind den Schneeanzug hoch. Noa flitzt raus auf den Bahnsteig. Ich sammele das Zeug zusammen. Leute drängen in die U-Bahn. Ich beeile mich, rauszukommen, bevor sich die Türen schließen und mein Kind allein auf dem Bahnsteig steht – und zack. Handy liegen gelassen. Ich habe mich sozusagen instinktiv zwischen Kind und Handy entschieden. Eine gute Wahl.

Scheiße, sage ich.
Scheiße, sagt Noa.
Das sagt man nicht, sage ich, aber das ist jetzt echt schlimm.
Aber Mama, sagt Noa. Komm.

Wir gehen die Treppe runter.
Ich quatsche die erstbesten Leute an und leihe mir ihr Handy, um meins anzurufen. Niemand geht ran.

Ich gehe mit Noa in die U8.
Ich bin so blöd, sage ich.
Nein, Mama, du bist nicht blöd, sagt Noa. Warum sagst du das?
Ich ärgere mich über mich selbst, weil ich das Handy vergessen habe.
Vergessen ist doch nicht schlimm, sagt Noa. Das kann doch mal passieren.
Ach, Noa, sage ich. Du kannst echt gut trösten.
Wir steigen in die U-Bahn.
Noa breitet die Arme aus, umarmt mich und streichelt meine Wange.
Ich kann gut trösten, oder?


Komplexe Konfession

Nachdem das Alte und das Neue Testament solche Publikumsschlager bei Noa waren, habe ich eine Sammlung antiker Sagen aus der Bücherei ausgeliehen. Diese ist leider vom Duktus her viel zu kompliziert, wie ich erst beim Vorlesen merke, sodass ich nach einigen Versuchen der Vereinfachung abbrechen muss. Noa ist todmüde genug, sich anstandslos auf später vertrösten zu lassen, bringt vorm Einschlafen aber noch folgenden Gedankengang zustande.

– Warum wird Poseidon auch „Erderschütterer“ genannt?
– [Ich erkläre, was ein Erdbeben ist, und dass die Griechen dachten, sie entstünden aus Poseidons Zorn.]
– Das stimmt aber nicht, oder?
– Wir erklären uns das heute anders. Aber die alten Griechen haben sich Erdbeben so erklärt, dass Poseidon zornig sei.
– Die haben Quatsch gesagt, oder?
– Naja… die haben das ja wirklich geglaubt, dass es diese ganzen Götter gibt, das war nicht als Quatsch gemeint.
– Aber in Wirklichkeit gibt es nur einen Gott, oder?
– Die Christen glauben das, ja.
– Was sind Christen?
– Das sind Leute, die glauben, dass Jesus wirklich gelebt hat und dass Jesus Gottes Kind war und dass seine Ideen zu Liebe und Frieden richtig sind.
– Ich glaub auch, dass Jesus Gottes Kind war und dass seine Ideen… richtig sind – aber ich glaub nicht, dass er wirklich gelebt hat. — Was bin ich dann?
– [Äh…] Na, mal gucken, was du noch wirst…
– Ja, gut. Guck mal [lässt jeweils beide Daumen und beide Zeigefinger einander berühren und führt die Daumen abwechselnd hoch und runter]: ein Dreieck, ein Viereck, ein Dreieck, ein Viereck!

Gutenachtlied

Nachdem wir eine ziemlich aufregende Geschichte gelesen haben, will ich Noa beruhigen.
„Soll ich dir noch ein Gutenachtlied vorsingen? Der Mond ist aufgegangen?“
„Ja. Aber die Mondlampe muss an sein.“
Ich knipse die Mondlampe an.
„Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.“
„Weißt du was meine Lieblingsfarbe mit Glitzer ist?“
„Gold?“
„Nein. So weiß-silber und an den Ecken bunt. So wie Deko.“
„Ah. – So, jetzt ist aber wirklich Schlafenszeit.“
Ich knipse die Mondlampe aus.
Noa singt: „Der Mond ist ausgegangen…“

Die „Kinderbibel“

Gestern hat Noa als Vorlesebuch beim Inhalieren die Kinderbibel aus dem Regal gefischt, die Oma Barbara anlässlich des letzten Weihnachtsfests nach Berlin mitgebracht hat. Dieselbe, aus der mir als Kind vorgelesen wurde. Nachdem wir mit der Weihnachtsgeschichte durch waren, haben wir vorne bei der Erschaffung der Welt angefangen. Eine echt seltsame Story im Vergleich zu dem, was wir sonst gerade so lesen (Der gestiefelte Kater, Ferien auf Saltkrokan, Natürlich ist Lotta ein fröhliches Kind), aber wenn es das Kind nach christlich-abendländischer Bildung verlangt, was soll man tun?


Auf die Erschaffung der Welt folgen in der Kinderbibel folgende kindgerechte Geschichten voller getöteter, bestrafter oder mit dem Tod bestrafter Menschen: Kain und Abel, Noachs Arche, Abraham und Lot. Eine gute Einführung in die Grausamkeit der Welt und den strafenden Zorn Gottes, und eine theologische Herausforderung für das zur Erläuterung der Zusammenhänge und der übersinnlichen Hintergründe angestellte Elternteil.

Ein kleiner Auszug aus Noas Fragenkatalog zu den Geschichten:

Warum hat Kain Abel erschlagen? Warum wollte er ihn erschlagen? Warum hat er nicht Gott erschlagen? Wollte er Gott erschlagen, wenn er das könnte? Warum hat er Gott nicht die Wahrheit gesagt? Warum war er so böse?

Warum hat Gott Noach gesagt, er solle die Arche bauen? Warum wollten die anderen Menschen in Noachs Arche nicht mitfahren? Warum hat Gott sie bestraft?

Warum hat Sara nicht einfach die Wahrheit gesagt [dass sie gelacht hat, als Gott meinte, in einem Jahr bekäme sie ein Kind, weil sie sich dafür für zu alt hielt]? Warum hat sie gelogen, obwohl Gott ihr Lachen gehört hat!? Warum haben die Menschen Angst vor Gott?

Warum ist Lot in dieses Haus in Sodom gezogen, wenn doch die ganze Stadt zerstört werden würde? Warum mussten alle Menschen in Sodom sterben? Warum hat Lots Frau sich umgedreht? Wenn sie nicht stehenbleiben und sich umdrehen durfte, warum ist sie dann nicht einfach rückwärts gegangen!!?

Wahrscheinlich durfte sie weder noch… aber was für eine gute Idee! Das hätte Gott mit seiner Ansage unter Umständen nochmal in Verlegenheit gebracht.

Und was natürlich nicht ausbleiben konnte…

– Gott sieht auch alles, was wir tun, oder?
– Äh… wenn es ihn gibt, ja…
– Gibt es ihn noch?
– Die einen sagen so, die anderen so…
– Und was sagst du?
– Ich glaub nicht, dass es diesen Gott aus dem Alten Testament gibt, der alle immer beobachtet und die Leute bestraft, die was Schlechtes tun.
– Nur mit Geld.
– Mit Geld? Wie meinst du das?
– Na, die Polizei. Die sagt, dass man eine Strafe zahlen muss.
– Ah. Ja. Also ich meinte nicht, dass es keine Strafen mehr gibt, sondern dass ich nicht glaube, dass da jemand im Himmel sitzt und Leute bestraft.
[Einen Teil des Gesprächs später, den ich gerade nicht rekonstruiert kriege; ich:]
– Allerdings ist es ja schon erstaunlich, wo das alles herkommt. Die Menschen und die Tiere und die ganze Erde…
– Das find ich nicht erstaunlich. Das muss man doch nicht erstaunlich finden.
– Muss man nicht. Aber wo kommt das alles her?
– Die Mamas gebären die Mamas… oder die Papas gebären – die Papas… oder die Papas gebären die Mamas oder die Mamas gebären die Papas!
Pause.
– Gute Nacht Noa. Träum schön.
– Gute Nacht, liebe Mama.

Verzweifeln über GEAS

Amir kommt aus Raqua in Syrien. Er ist 15 Jahre alt. Er ist seit letztem Monat in Deutschland. Er macht einen ruhigen, freundlichen, aufmerksamen Eindruck. Amir konnte wegen des andauernden Bürgerkriegs nie die Schule besuchen, aber er hatte ab und zu Privatlehrer, denn seinem Vater ist Bildung wichtig. „Musiklehrerin, Immobilienhändler, Verkäufer, …“. Ali zählt ein paar Berufe aus der Familie auf, um das Bild eines soliden, unterstützenswerten Milieus zu zeichnen, ein Gegenbild dazu, dass sein jüngerer Bruder mit 15 Jahren nur ein wenig schreiben und nicht 28:4 rechnen kann. Ali ist schon seit 2015 in Deutschland, spricht gut Deutsch, hat hier Kinder bekommen und arbeitet als Lastwagenfahrer. Amir hat Glück: Er kann bei seinem Bruder wohnen und hat Unterstützung von einem Zehlendorfer Ehrenamtlichennetzwerk. Anders als sehr viele andere unbegleitete minderjährige Geflüchtete, die im ehemaligen Flughafengebäude Tegel dicht an dicht leben, ohne Schule, Integration, Unterstützung. Die Verfahren der Zuerkennung des UMF-Status dauern derzeit um die 6 Monate. Ali bekommt keinerlei Sozialhilfe dafür, dass er Amir bei sich aufgenommen hat.

Ein anderer Bruder der beiden wurde in Raqua von der kurdischen Miliz eingezogen, als er 16 Jahre alt wurde, und seit anderthalb Jahren nicht mehr gesehen. Das sollte mit Amir nicht passieren, deshalb hat sein Vater „ein Haus verkauft“, um Schlepper für Amirs Reise nach Europa zu bezahlen. In Libyen ging es nicht weiter, der Vater sollte Woche für Woche weiteres Geld für die Versorgung Amirs schicken, eine Überfahrt war nicht in Sicht. Schließlich überquerte Amir die Grenze nach Tunesien und der Vater bezahlte weitere Schlepper. Amir gelang in einem Holzboot die Überfahrt nach Europa. Insgesamt war er neun Monate unterwegs.

Abolfazl kommt aus Afghanistan. Er ist erst 12 Jahre alt, doch bereits am ersten Tag an der neuen Schule hat er einen sonst ganz ruhigen 16jährigen ukrainischen Schüler so provoziert, dass es in einer Schlägerei endet. In der Klasse sitzt eine Jugendliche, die Lungendurchschüsse im russischen Angriffskrieg erlitten hat, doch Abolfazl proklamiert gern lautstark: „Putin ist geil!“ Sie habe ihn an der ganz kurzen Leine, erklärt die Willkommenslehrkraft, sie werde ihn hinkriegen, sie brauche ein halbes Jahr und es sei harte Arbeit. Er habe im kritischen Alter von 10 bis 12 Jahren in Moria gelebt und dort solche agressiv-provokativen Überlebensstrategien entwickelt, sie habe schonmal so einen gehabt.

Und nun also mehr Lager.

Nancy Faeser stellt es so dar, als würden alle Menschen aus Syrien und Afghanistan auch in Zukunft inhaltlich geprüfte Asylanträge stellen können, dabei stimmt das nicht.

Wenn die südlichen EU-Staaten nur „sichere Drittstaaten“ finden, die ihnen die Menschen abnehmen, können sie alle, die Asyl beantragen, mit der Begründung abweisen, jene Länder würden sich schon um sie kümmern. Auch Menschen aus Ländern mit einer hohen Anerkennungsrate wie Syrien und Afghanistan. Auch wenn die Menschen zu dem jeweiligen Land gar keinen Bezug haben, als durchgereist zu sein. Auch wenn dieses Land die Genfer Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet hat.

Dann werden auch keine Zustände wie in Moria entstehen, denn alle sind höchstens 12 Wochen in den von Mauern und Stacheldrahtzäunen umschlossenen Lagern inhaftiert, bevor sie abgeschoben werden. Nach Tunesien zum Beispiel. Die tunesische Küstenwache lässt Flüchtende wissentlich ertrinken, der autoritäre Präsident wettert gegen die „afrikanischen Horden„? Och naja…

2022 wurden von den 200.000 gestellten (nicht-ukrainischen) Asylanträgen in Deutschland 72% bewilligt (die Dublin-Fälle eingerechnet). Von den abgelehnten, die angefochten wurden, wurden später noch 30% bewilligt. Wer in einem Grenzverfahren-Lager inhaftiert ist, wird höchstwahrscheinlich keinen Zugang zu hinreichendem rechtlichen Beistand haben.

Die Medien – beispielsweise die Tagesschau von heute – sprechen von einer Verfahrensregelung für „illegale Migranten“, als ginge es nur um diejenigen, deren Asylanträge ohnehin abgelehnt würden (und auch in Bezug auf diese gibt es gute philosophische und ökonomische Argumente gegen geschlossene Grenzen). Dabei gibt es keine legale Möglichkeit, in ein Land zu reisen, in dem man Asyl beantragen will.

Die Grünen verkaufen es als zähneknirschenden Kompromiss, um wenigstens eine gerechte Verteilung anerkannter geflohener Menschen innerhalb der EU erreicht zu haben. Ein Nachteil könnte sein, dass kaum mehr jemand zum Verteilen übrig bleibt. Außer ein paar allein reisenden Minderjährigen wie Amir, die nicht im Mittelmeer ertrunken sind. Ade Artikel 16a GG (1), 1993 war ein schlechtes Jahr für dich, 2023 ist ein schlechteres. Hallo Festung Europa. Ist ja nicht unsere Schuld, dass wir mehr haben als andere auf der Welt. Lieber Schulter an Schulter mit europäischen Rechtspopulisten als auf Augenhöhe mit Menschen, die alles riskieren, um Schutz für ihr Leben zu suchen.

Neues von Noa Maru

– Weißt du, wo ich wohnen will, wenn ich groß bin?
– In Drage?
– Ja.
– Das ist lustig. Als Linus so alt war wie du, hat er auch gesagt, dass er in Drage wohnen will, wenn er groß ist. Dann könnt ihr ja zusammen dort wohnen, wenn ihr groß seid.
– Ja. Zusammen in einem Haus.

Ich werde jetzt oft gefragt, welche von zwei oder drei Sachen ich schöner oder leckerer finde.

– Findest du Pommes oder Ketchup oder Mayo leckerer? (Wir waren heute im Freibad und haben dort zu Abend gespeist.)
– Meinst du Pommes oder Ketchup oder Mayo oder Pommes mit Ketchup oder Pommes mit Mayo?
– Pommes oder Ketchup oder Mayo!
– Pommes!
– Was?
– Pommes! Ich möchte nicht Ketchup oder Mayo ohne Pommes essen, aber ich würde Pommes ohne Ketchup oder Mayo essen.
– Ich mag Ketchup und Mayo lieber.
– Echt? Würdest du gern zum Abendessen nur Ketchup und Mayo essen?
– Ja. Gibt es das mal bei uns zuhause?

– Findest du Barbara in ihrer Kleidung oder Pfote in ihrem Fell schöner?
– Pfote in ihrem Fell.
– Also findest du schwarz und braun schön?
– Naja, also ich mag dieses kuschelige Fell gern… Barbaras Kleidung ist natürlich viel bunter…
– Ja. Ich mag Barbara in ihrer Kleidung lieber.

Noa hat von Linus und Clara (bzw. Johannes) viel tolles Lego geliehen bekommen. Am liebsten mag sie alles, was glitzert. Als erstes hat sie ein „Königsschloss“ gebaut, in dem der König mutterseelenallein auf dem Sessel inmitten seines Reichtums sitzt, komplett mit Krone. Weiter hinten in der Ecke sitzt noch ein anderes Männchen.
– Und wer ist das, der Diener?
– Ja. Der kocht.

Das Königsschloss passt zu Noas dringendem Wunsch, Prinzessin zu werden,
– wenn du groß bist, meinst du?
– Nein! Jetzt sofort!
(Neulich war sie nur knapp davon abzuhalten, ins nächste Flugzeug nach England zu springen, wo man noch Prinzessin werden kann.) Aus dem Park Sanssouci wollte sie auch nicht hinaus.
– Ich will nicht nach Neukölln! Ich will hier im Königsland bleiben!

Gestern waren wir bei unserem allerersten Treffen mit anderen Muko-Familien, bei einem vom Mukoviszidose-Verein organisierten Klettern im Boulderklub. Der Altersunterschied war leider sehr groß, aber für mich war es spannend, mal von anderen zu hören, was sie so inhalieren.
Und natürlich freue ich mich, dass Noa beim Klettern inzwischen etwas mutiger geworden ist und es diesmal sogar aufs große Schiff geschafft hat.
Hier das repräsentative Abschlussfoto der kletternden Muko-Kinder.

FLINTA*

Ulli: Am 11.02. ist FLINTA-Night im Boulderklub. Wollen wir da zusammen hingehen, Clara?

Clara: Da hat Rosa Geburtstag, mit Übernachten. Was ist FLINTA?

Ulli: Das steht für Frauen, Lesben, inter*, non-binäre, trans* und asexuelle Leute.

Mo [räuspert sich stumm]: Das A steht für agender.

Ulli: Ah, ach so. Ja. Asexuell macht ja eigentlich auch keinen Sinn in dieser Aufzählung.

Clara: Aha. [Sie hebt die Arme, wie dieses eine Emoji 🤷‍♀️, in Unverständnis.] Und was heißt das?

Weiterlesen

Schnee

Für ein verlängertes Wochenende bin ich mit Linus und Clara nach Stuttgart gefahren, um Heike und Ralf zu besuchen. Nur 30 km südöstlich beginnt schon die Schwäbische Alb, die uns mit schönstem Wintermärchenwaldwetter empfing.
Weiterlesen

Leistung

Gestern Nachmittag waren Clara und ich im Boulderklub. Das ist in den letzten Monaten unser „Hausklub“ geworden, weil Clara hier ohne Einschränkung überall klettern kann, während die anderen Hallen in unserm Umkreis Bereiche haben, in denen Menschen erst ab einem bestimmten Alter (etwa 13 oder 14 Jahre) klettern dürfen, die Clara aber natürlich besonders attraktiv findet. Sie hat in den letzten Monaten unglaubliche Fortschritte gemacht und klettert jetzt schon regelmäßig Routen, die im Boulderklub mit rot gekennzeichnet sind, was auf der Fontainebleau-Skala 6A bis 6C entspricht.

Mit anderen Worten: Das sind Routen, die viele Erwachsene im Boulderklub nicht schaffen. Entsprechend häufig hat Clara es schon erlebt, dass Erwachsene ihr beim Klettern schwieriger Routen zuschauen, ihr entweder verstohlen bewundernde Blicke zuwerfen und ihre Freund:innen mit Blicken auf unsere kleine Klettermeisterin aufmerksam machen, oder die ganz offen ihre Bewunderung aussprechen oder sie sogar um Tipps bitten.

Weiterlesen

Trauern

Wie geht Trauern? Ist Trauern nicht eigentlich etwas ganz Natürliches? Aus dem einfachen Grund, dass der Tod ein Teil des Lebens ist? Dass Leben bedeutet, dass wir immer wieder die Erfahrung machen, etwas zu verlieren, was uns lieb und teuer ist?

Unsere Gesundheit.

Schmerzfreiheit.

Die Bewegungsfähigkeit unseres Körpers.

Geliebte Menschen, die uns verlassen.

Warum macht Trauer dann so sprachlos? Warum haben wir das Trauern verlernt?

Weiterlesen

Gruselig

„Kannst du dich erinnern, wie du dich damals gefühlt hast? In der Zeit vor Papis Tod? Welche Erinnerungen hast du an die Atmosphäre in unserer Wohnung damals?“, frage ich meinen Bruder.

Wir sitzen in einem indischen Restaurant in Charlottenburg.

„Ich kann mich an den verrückten Grundriss der Wohnung erinnern, an die Winkel und Ecken. Es gab da diesen einen Flur, wo ein Bett stand mit einer Decke drauf, die so gruselige Muster hatte. Ich hatte immer Angst, da vorbei zu gehen.“

Das war die Zeit, in der unser Vater bereits nicht mehr bei uns zu Hause wohnte. Er verbrachte immer mehr Zeit in Pflegeheimen. Heute Morgen fragte ich Mutti am Telefon, wie oft wir ihn denn in der Zeit noch gesehen haben.

Weiterlesen

Suppenkasper

Noa ist irgendwie unempfänglich für die Moral des Suppenkaspers aus dem Struwwelpeter… Oder der Schnupfen hat ihr auf die Ohren geschlagen. Oder beides.

Es gibt Suppe. Noa mag die Suppe nicht.

Ich: Du bist wie der Suppenkasper aus der Geschichte. Der sagt immer: „Nein, meine Suppe ess‘ ich nicht!“
Noa: Was?
Ich: In der Geschichte gibt es jeden Tag Suppe, aber der Suppenkasper sagt immer: „Nein, meine Suppe ess‘ ich nicht!“ Und dann wird er dünner und dünner…
Noa: Was?
Ich: Der isst jeden Tag nichts und dann wird er dünner und dünner…
Noa: Der will immer Döner und Döner? – Du musst mal lauter sprechen! Ich versteh nicht, was du sagst!

Nachdem wir die Zusammenhänge doch noch aufgeklärt haben…
Noa: Aber wenn der gar nichts isst, stirbt der!
Ich: Der stirbt auch am Ende.
Noa: Weil er keine Suppe gegessen hat…
Ich: Ja…
Noa: Können wir das Buch auch mal lesen?
Ich: Ja.
Noa: Der hat bestimmt auch kein Wasser getrunken, oder?
Ich: Bestimmt…
Noa trinkt vorsichtshalber einen großen Schluck.

Schlammrotza

– Mama? Wärst du lieber eine Eule oder ein Schlammrotza?
– Eine Eule. Was ist überhaupt ein Schlammrotza?
– Das ist… Das kann Autos hochheben!
– Boah. Du meinst so wie ein Abschleppwagen?
– Ja.
– Also ich wäre lieber eine Eule als ein Abschleppwagen.
– Aber ich meinte ja nicht einen Abschleppwagen. Ich meinte… das, was ich vorher gesagt habe!!
– Einen Schlammrotza?
– Ja.
– Was ist denn ein Schlammrotza?
– …
– Ist das ein Monster?
– Nein.
– Ein Tier?
– Ja.
– Ein Tier, das Autos hochheben kann!? Das muss ja groß sein.
– Ja. Das ist sehr groß.
– …
– Ich wäre lieber ein Schlammrotza.

Sommerferiengespräche mit Noa

Ich hatte ein paar sehr schöne und unterhaltsame erste Ferientage mit dem lieben Kindelein. Es macht sich so viele Gedanken und so viele lustige Bemerkungen!

Noa (froh): „Ich hab ganz viele Freunde. Ich hab Mama, Papa, Paula, Bittina… Alan… und Cleo und Sophie und Alperen. Und Clara! Und Linus…“

Einen Tag später sind wir mit Inga im Freibad. Auf dem Heimweg sagt Noa zu mir: „Mama, du hast so viele Freunde, die kann ich fast gar nicht unterscheiden!“


Das Thema Menschen vs. Tiere beschäftigt das Kind sehr. Mo hat ihm erklärt, dass Menschen auch Tiere sind, und das kann es gar nicht glauben.

„Sind Menschen wirklich Tiere!? Das ist doch Quatsch, oder?“
„Nein, das stimmt wirklich.“
„Und was sagt meine Oma?“
„Deine Oma sagt, Menschen sind Tiere, die sprechen können.“

„Ich bin doch kein Säugetier!!“
„Doch, du hast doch an meiner Brust gesaugt. Dann bist du doch ein  Säugetier.“
„Bist du denn immer ein Quatschkörbchen?“

„Weißt du, was Alan zuhause hat? Alan hat eine *echte* Feuerwehr und auch ein *echtes* Flugzeug! Das kann wirklich fliegen! Von alleine!“
„Ach echt? Wow…“
„Ja, echt. Wir können Alan doch auch mal wieder besuchen.“
„Ja.“
„Ist Alan auch ein Säugetier?“
„Ja.“
„Aber er hat doch gar keinen Schwanz! Deswegen ist er kein Tier. – Hasen haben einen Schwanz.“


An seine Cousinchen denkt es…
Es ist spät und Noa muss noch Tammi-Sodu essen.
„Kannst du mich füttern?“         
„Na gut. Ein Löffel für Noa, ein Löffel für Papa, ein Löffel für Lian…“
„Nein.“
„Für Mama? Für Oma?“
„Nein. Für Alan!“
„Ok.“
„Und jetzt für Oma!“
„Ok. Und der letzte?“
„Für die kleine… für Rebecca!“
„Gut. Fertig.“
„Und… können wir auch mal für die ganz kleinen… für Tabea und Miriam?“


Wir streifen auch hochkomplexe Themen wie Unendlichkeit in der Mathematik.

„Wie weit kannst du zählen, Mama?“
„Ich kann sehr, sehr weit zählen.“
„Aber wie weit?“
„Es gibt kein Ende, weil die Zahlen nie aufhören.“
„Aber wo hören die auf?“
„Nie, man kann immer weiter zählen.“
„Was, man kann *immer weiter* zählen…!?“

Überhaupt sind Zahlen ein Faszinosum.

„Können wir mal wieder auf diesen Spielplatz gehen? Den beim Tempelhofer Feld? Da war ich schon sooo lange nicht mehr. Schon zwei Mal dreiunddreißig Jahre, oder? Nein, schon dreiundvierzig Jahre!“
„So lang…“
„Ja. – Dreiundneunzig ist cool, oder?“
„Ja.“
„Und hundert. Kannst du bis hundert zählen, Mama?“
„Ja.“
„Hundert ist so weit wie meine Luise-Oma alt ist.“


Bei begrifflichen Fragen ist die wahre Autoriät in jedem Fall Bittina, wie das folgende Gespräch verdeutlicht.

Noa hatte öfter von Wasserverschwendung gesprochen und mich ermahnt, das Wasser nicht zu lange laufen zu lassen. Jetzt kritisiert sie, dass ich bei den Erdbeeren etwas von der Beere mit abschneide, wenn ich das Grüne abschneide.
„Du hast was Rotes mit abgeschnitten! Das kann man doch auch essen! Ich mach immer nur das Grüne ab. Du machst das nicht richtig.“
„Ja, du hast Recht, das könnte man noch essen… Das ist Erdbeerverschwendung, oder?“
„Erdbeerverschwendung!? Erdbeerverschwendung gibt’s nicht.“
„Doch, das hier ist doch Erdbeerverschwendung.“
„Ich frag mal Bettina, ob es Erdbeerverschwendung gibt.“


Wenn man nicht weiß, wie etwas heißt, kann das sehr frustrierend sein… (zunehmend verzweifelter Tonfall):
„Plemptofel… wie *heißt* das nochmal, Mama!?“
„Plemtofel?“
„Ja… ich weiß nicht, wie das *heißt*!“
„Was meinst du denn?“
„Sag mir, wie das richtig heißt!!“
„Aber ich weiß doch nicht, wovon du redest, Noa! Meinst du ein Fahrrad oder ein Kind oder was?“
„Nein!“
Denkpause.
„Ah, jetzt weiß ich es wieder! Tempelhofer Feld!“


Das Kind entwickelt jetzt auch Ansätze von Gerissenheit, die es jedoch nicht mit seiner tiefliegenden Ehrlichkeit aufnehmen können.

Morgen. Ich dusche. Ich dusche eine Weile allein, dann kommt Noa ins Bad.
„Ich wasche meine Hände.“ Eine vor dem Frühstück eher unübliche Handlung.
„Wieso wäschst du denn deine Hände, Noa?“
Keine Antwort.
Ich komme aus der Dusche und trockne mich ab.
„Was hast du denn am Mund, Noa? Ist das Schokolade?“
„Nein.“
„Hast du heimlich vom Schokoosterhasen genascht?“
„Nein.“
„Nur ein bisschen?“
„Ja.“

So schnell wie…

Ich fahre Noa mit dem Fahrrad zur Kita. Die Autos neben uns stehen beinahe im Stau.

„Mama, du fährst so schnell! Du bist so schnell wie die Autos! Fahr noch schneller!“

„Mama, wir sind so schnell wie der Wind! Oder? So schnell wie der Windmeister!“

„Der Himmelmeister ist noch schneller!“
– „Ach?“
„Mama, du kennst gar nicht den Himmelmeister, oder?“
– „Nein. Wie sieht der denn aus?“
„Der sieht aus wie der Himmel!“

„Oder… wie heißt das nochmal? Das so schnell ist?“
– „Rakete?“
„Neiin. Das runde!“
– „Planet?“
„Neiin. – Karussell! Das Karussell… das dreht sich soo schnell… schnelle Handbewegungen
Das ist bestimmt so schnell wie der Himmelmeister. Oder?“
– „Das kann ich mir nicht vorstellen.“
„Doch… sooo schnell!“

Clara mögen

Beim Kuscheln vorm Schlafen
Ich: „Weißt du was, morgen machen wir einen Ausflug an den See, und weißt du mit wem? Mit Mo und Clara!“
Noa: „Jaaa. Clara gerne mag…“
Ich: „Ich auch.“
Noa: „Magst du Clara ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, *ganz* gerne?“
Ich: „Ja.“
Noa versonnen: „Ich auch.“

Weltwissen

Zurzeit erwirbt sich Noa viel Weltwissen, oder Fragmente davon.

Vegetarismus
Ich schlage eine Motte tot.
Noa: „Eigentlich darf man keine Motten totschlagen.“
Ich: „Wieso?“
Noa: „Die Erzieherinnen in der Kita sagen das. Wenn man eine Motte totschlägt, darf man kein Fleisch mehr essen.“

Sexismus
Noa zieht sich Hose und Schlüpfer zu den Knöchel runter, um sich zum Pullern aufs Klo zu setzen. Das T-Shirt war eh schon abgelegt.
„Seh ich jetzt aus wie eine Frau? – Frauen sind doch nackt, oder?“

Karies
„Heute war Kroko in der Kita. Kroko ist ein *Kuscheltier* – aber das konnte *sprechen*!!“
Fährt sich mit dem Finger systematisch alle Zahnreihen vorne, obendrauf und hinten entlang, singt:
„Zähneputzen ist nicht schwer, Zähneputzen ist nicht schwer, Zähneputzen ist nicht schwer, Zähneputzen ist nicht schwer, …“
„Wenn man sich nur *einmal* nicht die Zähne putzt – dann bekommt man gleich *Löcher* in den Zähnen!!“
„Petra… Petra war mit Kroko da. Die sah aus wie eine Ärztin, aber die hat uns gar nicht geärztet.“
Auch wenn Petra die Kinder nicht geärztet hat – seit sie mit Kroko in der Kita war, lässt Noa sich ganz besonders bereitwillig die Zähne putzen.

Üben

An unserem letzten Tag haben wir noch mehr für die Alpen geübt. Diesmal haben wir die Starke Stiege gefunden!

An jeder Weggabelung und auch dazwischen überprüft Mo, ob wir noch richtig liegen.
Weiterlesen

Himmel und Hölle

Linus meinte, ich soll den Eintrag „Picknick im Himmel“ nennen.

Denn hier oben haben wir gestern gepicknickt, nachdem wir bereits aufregende Strecken hinter uns gelegt hatten. Aber erstmal hieß es, viele Stunden Regen abwarten…

Weiterlesen

Starke Stiege – Schwache Karte

Wir sind von Donnerstag bis Sonntag in die Sächsische Schweiz gefahren. Ein bisschen, um schon mal für die Alpen zu üben. Aber hauptsächlich, weil mich vor ein paar Wochen die Reiselust gepackt hat. Das passiert zwar recht oft, aber nach zwei Jahren Pandemie ist es endlich (oder ist auch das nur ein kurzes Intermezzo?) wieder möglich, ohne große Einschränkungen in den Urlaub zu fahren. Zumindest in Europa.

Wir erwarteten große Menschenmassen, insbesondere Männerhorden, die mit bierbeladenen Bollerwagen grölend über die Waldwege torkeln. Ich habe mal wieder darüber nachgedacht, warum ausgerechnet Christi Himmelfahrt zum „Männertag“ oder „Vatertag“ mutiert ist (und wann). Es ist nicht so, dass ich keine Vermutungen hätte, aber weiß eine unserer Leser*innen etwas Genaueres?

Weiterlesen

Schimpfen

Ich sitze mit Mo in der Sauna. Im Vorraum der Sauna ist Noa. Ihr war die Sauna zu heiß. Sie soll nicht rausgehen aus dem Vorraum, damit sie nicht verlorengeht, und sie will nicht reingehen in die Sauna, weil ihr in der Sauna zu heiß ist. Sie langweilt sich.
Leute kommen herein. Sie wundern sich über das Kind im Vorraum. Ich sage: „Das Kind ist dort abgestellt.“ Die Leute gucken komisch.
Noa ruft: „Blöde Mama, blöde Mama.“
Mo sagt: „Jetzt musst du wohl hingehen.“
Noa ruft: „Blöde Mama, blöde Mama!“
Ich sage: „Jetzt muss ich wohl hingehen und schimpfen.“
Eine Saunagängerin schimpft: „Oder einfach mal kümmern!“
„Oder einfach mal kümmern“, stimme ich zu.

Ich gehe aus der Sauna und kümmere mich um mein Kind. Als erstes erkläre ich ihm, dass es nicht „blöde Mama“ rufen soll. Es soll lieber „ich will jetzt endlich raus!“ schreien, zum Beispiel. Erst ist es uneinsichtig, aber dann ist es einsichtig und verspricht, nicht mehr „blöde Mama“ zu rufen.
Draußen im Wasser treffe ich Linus und Clara. Ich erzähle ihnen, dass eine mit mir geschimpft hat und wie es dazu kam.

Später. Noa fragt: „Warum hat die Person mit dir geschimpft?“
Ich sage: „Weil ich mich nicht um mein Kind gekümmert habe.“
Noa sagt: „Ich werde immer traurig, wenn jemand mit mir schimpft. Mein Papa“, und jetzt klingt Noa wirklich richtig traurig, „hat auch mal ‚blöde Noa‘ zu mir gesagt.“
„Nein!“, sage ich ungläubig.
„Doch“, sagt Noa. „Als ich den ganzen Teig umgekippt habe.“
„Ach so, ja“, sage ich. „Da war er sehr wütend. Aber dann hat es ihm gleich leid getan und er hat sich sofort entschuldigt und gesagt, dass er dich lieb hat.“
„Ja“, sagt Noa und klingt wieder froh.

Abend. Noa spielt mit dem Ockopus Nele. „Das böse Gesicht hier unten“, sagt Noa, „ist die Mama. Die schimpft. Aber das hier oben“, Noa zeigt auf das lachende Gesicht auf der Oberseite, „ist das Kind. Das ist trotzdem fröhlich.“

Antifaschistin

Noa: Die Kita ist blöd. Die geben mir keinen Schnaps!

Noa malt etwas Schwarzes.
Phoenix: Da fehlt noch rot.
Noa malt etwas Rotes dazu: Du trägst doch auch immer schwarze und rote Kleidung.
Phoenix: Ja.
Noa: Warum trägst du immer schwarze und rote?
Phoenix: Weil ich Antifaschistin bin.
Noa: Ich bin auch Antifaschistin!

Dichtung und Wahrheit

Wieder eins dieser Zubettbring-Gespräche… Beim Inhalieren habe ich Noa die Geschichte aus „Matti und Teddy“ vorgelesen, in der Billa zum ersten Mal bei Matti übernachtet.

Noa: „In der Geschichte von Matti… da haben die ihre Namen getauscht. Da war Ronja… In meiner Kita gibt’s auch eine Ronja.“
Ich: „Die haben nicht ihre Namen getauscht. In der Geschichte hat die Mama Matti und Billa aus einem Buch vorgelesen. Aus dem Buch von Ronja Räubertochter… das les ich dir auch mal vor, wenn du ein bisschen größer bist.“
Noa (überlegt): „Aber das Buch… ist doch in dem Buch!!“
Ich: „Ja, aber das gibt’s in echt!“
Noa (verblüfft): „Aber wie kann man das denn da rauszaubern?!?“

Teilen II

Noa: „Weißt du, was Alan heute in der Kita gemacht hat? Der hat mit mir das Fahrrad geteilt!!“
Ich: „Ach wirklich? Hat er das jetzt gelernt?“
Noa: „Erst Alan, dann Noa, dann Alan, dann Noa, dann Alan, dann Noa, dann Alan, dann Noa, dann Alan, dann Noa…“

Abonnieren

Es ist jetzt möglich, bei neuen Beiträgen eine E-Mail-Benachrichtigung zu erhalten. Hier könnt ihr euch dafür eintragen!

Teilen

Es ist Abend und Schlafenszeit. Noa und ich liegen nebeneinander auf der Matratze neben ihrem Bett und kuscheln noch eine Runde. Noa erzählt mir von ihrem ersten Tag in der Kita nach den Weihnachtsferien. Heute Morgen ist sie aus dem Tiefschlaf direkt an den Frühstückstisch gesprungen, so sehr hat sie sich gefreut, wieder in die Kita gehen und Alan wiedersehen zu dürfen.

„Aber wir haben auch gestritten“, räumt sie jetzt ein. „Ich wollte das blaue Fahrrad haben und Alan wollte auch das blaue Fahrrad haben.“
„Ah“, sage ich.

Pause.

„Und wer hat dann das Fahrrad bekommen?“, frage ich.
„Ich“, sagt Noa. „Die ganze Zeit ich. Ich wollte das die ganze Zeit haben.“
„Ah“, sage ich. „Und Alan wollte das auch die ganze Zeit haben, oder?“
„Ja“, sagt Noa. „Aber ich hatte das.
Weißt du, wie Alan macht, wenn ich was haben will?“ Noa setzt sich auf und reißt mit einer ruckartigen Bewegung die Hand hinter den Rücken.
„Was gibt Alan dir denn zum Beispiel nicht?“, frage ich.
„Zum Beispiel… die kleine gelbe Schaufel“, sagt Noa. „Eigentlich gibt es zwei kleine gelbe Schaufeln, aber die zweite war weg!“

Pause.

„Weißt du, was teilen heißt?“, frage ich Noa.
„Mh-mh“, sagt Noa und schüttelt mit dem Daumen im Mund den Kopf.
„Das heißt sich abwechseln. Mal der eine und mal der andere. Zum Beispiel… manchmal hat Noa das blaue Fahrrad und manchmal Alan, und dann wieder Noa und dann wieder Alan.“
„Aber ich will nicht mit Alan teilen“, sagt Noa. „Der gibt mir das dann nicht zurück!“
„Das lernt ihr schon noch“, sage ich. „Das ist auch nicht so leicht. Charlotte und Linus finden das immer noch schwierig. Die sagen dann ‚Ich hatte das zuerst.‘ – ‚Nein, ich hatte das zuerst!‘ – ‚Nein, ich hatte das zuerst!‘ und immer so weiter. Obwohl das schon große Kinder sind.
Aber Clara kann gut teilen. Immer, wenn du was haben willst, sagt sie ‚Oah…! Naa gut.'“
„Aber weißt du, welche Stifte von Clara ich nicht haben darf?“, fragt Noa. „Die ganz bunten Stifte!“

Pause.

„Du könntest ja zu Alan sagen: ‚Ich gebe dir das jetzt, und dann gibst du es mir danach zurück, ok?'“, schlage ich vor. „Vielleicht sagt er dann: ‚Ok.‘ Das könntest du mal probieren.“
„Ich kann ja sehr gut teilen!“, erklärt Noa. „Nur nicht mit Alan. Der gibt mir das nicht zurück!“
Ich beschließe, das Thema vorläufig ruhen zu lassen: „Du machst das schon…“

Kurz darauf ruht auch mein Kind und schmatzt inbrünstig am Daumen. So ein aufregender Tag nach so einem aufregenden Urlaub…

Nikolaustag

Gestern war der Nikolaus in der Kita. Noa war sehr beeindruckt, denn er hatte einen roten Mantel, einen weißen Bart und zwei große Säcke dabei. Außerdem hatte er einen alten Rücken und alte Ohren, wie sie mir erklärte. Und jedes Kind bekam von ihm ein Säckchen mit Apfel, Mandarine, Nuss und Schokolade sowie eine Schokokugel auf die Hand.

Am Abend berichtete Sabine, auch in ihrer Kita seien alle Kinder sehr aufgeregt gewesen wegen des Nikolaus, welche Bemerkungen wiederum große Aufregung am Esstisch nach sich zog, weil auch hier alle vier Kinder von ihren Nikolauserfahrungen und -geschenken erzählen wollten, und zwar alle möglichst gleichzeitig. Noa war das einzige Kind ohne Nikolausgeschenk zuhause, aber es fiel ihr nicht auf. Sabine fragte sie nach ihren Weihnachtsgeschenkwünschen: „Ein Pferd und einen Vogel.“
Dann gab es von den Nachbarn noch ein Überraschungsei zum Nikolaus, als wir um 8 Uhr abends nach Hause kamen, von dem sie vor dem Schlafengehen sogar noch zwei Bröckchen Schokolade abknabbern durfte.

„Das war ein toller Nikolaustag!“, sagte Noa mir im Bett vorm Einschlafen.

Was Noa sagt.

Ein klein wenig Alltagsdokumentation.

Über Freunde

Noa (eindringlich): Paula hat einen neuen Freund. Einen neuen. Der ist neu. Bettina… (verliert sich)
Ich: Hat Bettina das erzählt?
Noa: Ja.
Ich: Und hast du auch einen neuen Freund?
Noa: Nein. Der heißt immer noch Alan.


Vom Liebhaben

Während wir vom Auto zum Haus laufen.
Noa: Hast du mich lieb, Mama?
Ich: Ja, Noa.
Noa: Kannst du meine Hand ganz fest drücken?
Ich schmelze dahin und drücke ihre Hand.

Während wir ins Haus gehen.
Noa: Hast du mich *für immer* lieb?
(Das ist direkt aus „Mon amour“ entnommen.)
Ich: Ja, für immer, Noa.
Noa: Kannst du mich hochtragen?


Streit

Ich hole Noa ab. Der Kitabecher ist noch drinnen. Ich fordere sie auf, ihn zu holen.
Noa: „Nein, du sollst das machen!“
Ich: „Ich darf ja nicht rein…“
Alan flitzt los in Richtung Innenräume. Noa rempelt ihn zur Seite und schreit: „Nein, iich!“
Ich schimpfe: „Noa, Alan wollte dir doch nur helfen!“
Alan hat Tränen in den Augen. Ich tröste und drücke Alan.
Als Noa wieder herauskommt, mit Becher, fordere ich sie auf, sich zu entschuldigen oder Alan nochmal zu drücken. Sie weigert sich. „Ich wollte den Becher aber holen!“
Wir gehen. Wir steigen ins Auto ein.
Noa (wehklagend): „Alan… Alan… Alan… Alan…“


Von Abwesenden

Mehrmals täglich, ohne Anlass:
„Papa… Papa… Papa… Wo Papa?“
Alternativ „Mama…“ wenn in Moabit.
Alternativ „Paula…“.
Oder „Alan…“, s.o.

„Was macht Alan gerade?“
„Mag Alan auch gerne Müsli?“
„Alan kann mich doch auch mal besuchen!“

Wir sitzen am Frühstückstisch und frühstücken schweigend. Plötzlich sagt Noa nur einen Satz:
„Die Mama von Regina… die ist schon gestorben!“
Regina ist eine ganz besonders liebe Erzieherin in der Kita.

Neulich ging es um die kleine „Rosine“ Rebecca:
„Die ist noch ganz klein.“
Und dann um Uroma Luise:
„Die ist noch alt.“


Von Fantastischem

Gestern habe ich Noa zwei super interessante, seltsame und auch ein wenig gruselige Bilderbücher von Maurice Sendak vorgelesen (der von „Wo die wilden Kerle wohnen“), die Ulli uns geliehen hat, nämlich „Als Papa fort war“ und „In the Night Kitchen“. Sie findet beide sehr spannend. Heute Morgen fragte ich, wie ich oft frage:
„Hast du gut geschlafen?“
Noa (wie oft): „Ja.“
Ich: „Hast du was geträumt?“
Noa: „Von einem Grüffelo. Von einem Grüffelokrokodil. Das konnte fliegen.“
Ich (beeindruckt): „Ach echt? Und was hat das gemacht?“
Noa: „Das fliegte!“


Höflichkeitsgesten

Noas Patentante Eva ist zu Besuch und hat Noa ein Geschenk mitgebracht. Als ich Noa auffordere, sich zu bedanken, fängt Noa reflexartig an zu winken.
Das ist verständlich. Denn normalerweise enden alle meine Sätze, die mit „Sag mal…“ beginnen, mit „… tschüss!“

Karwendel II

Dienstag, 19.10.

Stuibenfall im Ötztal. Ja, das ist dort, wo der Ötzi – die Gletschermumie – gefunden wurde.

Wir probieren noch einmal Klettersteig ohne Schnee aus. Die Wand links vom Wasserfall, dem Stuibenfall, ist für Anfänger gut geeignet. Die meisten Passagen werden mit Schwierigkeitsgrad A/B angegeben, nur eine kurze mit B/C.

Mo hängt sicher in den Seilen.

Es geht 160 Meter hoch. Wir sind etwa 1,5h unterwegs. Zwischendurch habe ich einen kurzen Moment Angst, als ich einen Überhang überwinden muss und dazu den Rucksack trage, den Mo hier auf dem Bild trägt. Der Rucksack scheint mich mit allem Gewicht nach unten zu ziehen. Obwohl ja nichts wirklich Schlimmes passieren kann, habe ich Angst. Eine interessante, und sehr unangenehme Erfahrung.

Aber für dieses Foto war es das wert!

Als ich mich einen Moment gegen die Wand lehne und mal in die andere Richtung schaue, sehe ich diese klare, ruhige Landschaft:

Mittwoch, 20.10.

Heute haben wir uns eine echte Wanderung rausgesucht. 17km, 1300 Höhenmeter – einmal rauf, dann wieder runter. Hoch auf das Kienjoch in den Ammergauer Alpen. Dafür muss ordentlich vorgesorgt werden. Wir packen einen Haufen Energieriegel ein. Mo sagt, so viele bräuchten wir doch wohl nicht. Ich schreie entsetzt auf und sage, was, wenn wir dort übernachten müssen?

18 Riegel, inklusive vegane „Bifis“.

Mo gibt nach. Wir packen alle Riegel ein. Die Wanderung hat es wirklich in sich. Nach etwa einem Fünftel der Strecke (ein schmaler Pfad durch den Wald mit hoher Steigung) hat Mo eine Art Zerrung im Oberschenkel und zweifelt, ob er es überhaupt bis nach oben schafft.

Trotz Anstrengung und Pein sind wir vergnügt.

Und es lohnt sich:

Nur noch wenige Meter und dann haben wir den Gipfel des Kienjochs auf knapp 2000 m erreicht.

Einmal oben auf dem Grat angelangt, können wir ein bisschen verschnaufen, und uns auf die technischere Seite des Wanderns konzentrieren. Hier ist nicht mehr so viel Kondition gefragt.

Der höchste Gipfel ist unser Ziel. Hier sieht man den Grat besonders gut.
Wir streifen wogende Wiesen aus goldenem Gras.
Und auch der Abstieg beginnt mit dieser atemberaubend schönen Aussicht.

Später wird es dann allerdings wirklich sehr schmerzhaft für meine Füße. Und als wir nach 17km und 9 (NEUN!!) Stunden endlich wieder am Auto sind, kann ich kaum noch laufen. Wir finden eine Almhütte, die noch offen hat, und bestellen dort echtes, richtiges Essen. Nachdem wir 13 der Riegel auf unserer Wanderung verzehrt haben, ist das eine echte Wohltat für den Körper.

Donnerstag, 21.10.

Heute ist Faulenzen angesagt. Wir fahren in die Kristalltherme Trimini in Kochel am See.

Diese Hütten ragen in den klaren, kalten Gebirgssee.

Es ist ein stürmischer, sehr wechselhafter Tag. Die Aussicht von der Therme aus und auch von der größten Sauna, ist einfach unglaublich toll. Ich könnte stundenlang auf das sich ändernde Licht in den Bergen und auf den See schauen. Einmal trauen wir uns sogar rein in den See. Er hat gefühlt 2°C. Meine Füße tun so krass weh, dass ich Mühe habe, nicht loszuschreien. Aber ich war einmal ganz drin. Und Mo auch.

Freitag, 22.10.

Weder Mo noch ich haben damit gerechnet, dass wir am letzten Tag noch ein weiteres Bergabenteuer erleben würden. Aber nachdem wir ausgeschlafen und gefrühstückt haben – ausschlafen! Das haben wir an unseren anderen Wandertagen nicht gemacht -, schlägt Mo vor, mit der Kreuzeckbahn zum Kreuzeck zu fahren und von dort bis zum Osterfeldkopf zu laufen, etwas über 500 Höhenmeter – ein Klacks zu vorgestern! Den ganzen Weg über ragt über uns die Alpspitze, die etwas kleinere Schwester der benachbarten Zugspitze.

Diese Strecke haben wir schon zurückgelegt. Aber die Alpspitze liegt hier hinter mir.

Im Tal ziehen sich bereits Wolken zusammen und sobald wir stehen bleiben, wir mir sehr schnell kalt. Aber beim Aufstieg selbst ist mir so warm, dass mir der Schweiß vom Gesicht tropft, obwohl ich kurzärmelig bin.

Mo hat für Nachschub der Energieriegel gesorgt – zum Glück!
Einmal oben angekommen, gehen wir noch ein Stück in Richtung Alpspitz Ferrata. Mir zu Füßen schlängeln sich die neu angelegten Wege für die Touristenmassen, die sich hier im Sommer entlangwälzen.

Den Klettersteig machen wir natürlich nicht. Dafür ist es zu nass und zu neblig. Trotzdem ist es abenteuerlich, so weit zu gehen, wie man halt ohne Klettergurte gehen kann.

Ein klitzekleines Stückchen klettern wir dann doch.
Mit den Wolken sieht alles noch viel erhabener aus.

Zum krönenden Abschluss darf Mo noch mit den Alpendohlen spielen. Sie bekommen ihr Lieblingsfutter: Energieriegel – und fliegen Mo auf die Hände und den Kopf.

Karwendel

Freitag, 15.10.

Am Bahnhof in Leipzig steht Ralf direkt vor der Tür, als die sich öffnet. Linus, Clara und ich steigen aus. Wir begrüßen Ralf, sind froh, dass es bis hierhin so reibungslos geklappt hat, ich steige wieder ein, zurück zu Mo. Ralf und die Kinder warten auf ihren Zug nach Gera. Ab jetzt gehen unsere zwei unterschiedlichen Urlaube los.

Am frühen Abend treffen wir in München ein. Unser Serviced Appartement liegt in Maxvorstadt und wir schlendern die Augustenstraße entlang auf der Suche nach leckerem Abendessen.

Dirndl-Laden?
Galerie! Alpenoptik mit VR und Sex. Interessantes Konzept.

An der St. Joseph-Kirche begrüßen uns ein paar redselige Menschen und schenken uns Badezusatz von Tinti, Früchtetee und drei Geschichten, die das Herz wärmen sollen. Bier gibt es auch, aber das lehnen wir freundlich ab. Soo viel Geselligkeit gleich für unseren ersten Abend in Bayern, das ist uns doch nicht ganz so geheuer.

Samstag, 16.10.

Wir laufen den ganzen Tag durch die Münchener Altstadt und durchs Glockenbachviertel, machen eine halbe sehr schlechte Busführung mit und kein einziges Foto. Wahrscheinlich weil wir zu viel Spaß haben und zu albern sind.

Erst am Abend beruhigen sich unsere Gemüter, als wir die strengen Treppen der Alten Pinakothek hochsteigen. Es ist Lange Nacht der Museen und wir nutzen die Gunst der Stunde zusammen mit tausend Anderen.

„Das apokalyptische Weib“ von Rubens.
Detail: eine Biene!

Die Sammlung ist echt beeindruckend und extrem reichhaltig. Besonders toll finde ich ein Bild von Van Gogh („Blick auf Arles“, oder so ähnlich), das vorübergehend hier ausgestellt wird, solange die Neue Pinakothek wegen Umbaus geschlossen ist.

In echt wirkt dieses Bild völlig anders. Sehr plastisch nämlich. Sehr dreidimensional, obwohl die Pinselstriche so grob sind. Und die Farben. So viel Blau, Lila und Grün…

Sonntag, 17.10.

In knapp zwei Stunden sind wir mit unserem gemieteten VW Polo im Karwendelgebirge. Wir beginnen mit einer gemütlichen Wanderung hoch zum Mittenwalder Hausberg, dem Kranzberg.

Das ist der Blick vom Kranzberg auf die Karwendelwand.
Buckelwiesen

Es sind viele Leute unterwegs. Am Abend erfahren wir, dass heute Kirchweih ist, und alle Mittenwalder sich mit ihrer Familie vollfressen (mit Gans und Ente) und sich besaufen (mit Bier). Da machen wir doch mit! Wir kehren ein im Gasthaus Alpenrose (oder so ähnlich) und sind froh, noch einen Platz ergattert zu haben. Mittenwald hat etwas über 7000 Einwohner und 70 Restaurants und die sind heute alle voll!

Montag, 18.10.

Für unsere erste richtige Wanderung suchen wir eine mit Klettersteigpassagen aus. Wir fahren mit der Karwendelbahn – nur 10 Minuten Fußweg von unserer Unterkunft – auf über 2000 Meter hoch – und sind doch ziemlich überwältigt von der völlig anderen Witterung hier oben.

Warum haben wir nur keine Grödel gekauft?

Gleich zu Beginn sehen wir eine Gams und ein paar Alpenschneehühner 😻. Letztere haben ihr Federkleid schon fast ganz gewechselt.

Nachdem wir einige Wege ausprobiert und für zu gefährlich befunden haben, finden wir zu guter Letzt doch noch einen, auf dem wir uns trittsicher genug fühlen. Und ich mache meine ersten Klettersteigerfahrungen – und das im Schnee! 😵‍💫

An einer Stelle beschließen wir, umzukehren. Zum Glück bedeutet der Schnee auch, dass nicht viel los ist auf dem Steig, so dass das Umkehren überhaupt möglich ist. Aber erst braucht Mo noch eine Stärkung und packt die Energieriegel aus. Darüber freuen sich auch die Alpendohlen sehr, denn Energieriegel sind ihr Lieblingsfressi. Eine setzt sich sogar auf Mos Fuß und dann auf sein Knie, um auch nicht den nächsten Wurf eines Bröckchens zu verpassen, das sie sogleich mit kunstvollsten Flugmanövern aus der Luft schnappt.

Hauen, Entschuldigung sagen, Geburtstag feiern

Noa Maru ist jetzt in dem Alter, wo sie interessante Zusammenhänge herstellt. Mo hat gesagt, dass man sich später freut, solche Gespräche wieder zu lesen. Deshalb schreibe ich ein paar auf.

Zurzeit werde ich manchmal von ihr auf den Kopf gehauen. Eigentlich ist es eher ein Klaps, aber als ich letzte Woche ein bisschen kurznervig war, hab ich sie doll dafür ausgeschimpft. Und ihr dann, ganz nach der Pädagogik unserer Zeit, erklärt, sie müsse erst fragen, ob jemand gehauen werden wolle. Was folgendes Gespräch produzierte.
Noa: „Darf ich dich hauen?“
Ich: „Nein.“
Noa: „Aber ich hab dich doch gefragt!“
Das soll einer verstehen…

Inzwischen bin ich dazu übergegangen, sie zurückzuhauen. Das bereitet allen Beteiligten insgesamt mehr Freude.
Gestern hat Yan das beim Abendessen miterlebt und mahnte: „Keinen Streit!“
Noa und ich antworteten einhellig: „Wir machen das nur im Spaß!“

Eine Gepflogenheit unserer Zivilisation, die sie bereits ein bisschen besser verinnerlicht hat als das allgemeine Auf-den-Kopf-hau-Verbot, ist die darauffolgende Entschuldigung.

Noa: „Tritt mich mal, Mama.“ (Ok, eigentlich hat sie „Trete“ gesagt, aber ich wollte vor Mo gern verschweigen, dass ich sie nicht korrigiert habe.)
Ich trete sie (so ein kleines bisschen gegen das Bein. Sie hat es ja schließlich gewollt!).
Noa: „Und jetzt sag Entschuldigung!“

Noa: „Ich hau dich gleich.“
Sie haut mich.
Noa: „Entschuldigung, Mama. Ich wollte das nicht.“

Nachdem in letzter Zeit Linus und Opa Karlo und Lian Geburtstag hatten und alle ein Ständchen bekommen haben, spielt Noa gern und ausdauernd Geburtstag feiern. Meistens ist es mein Geburtstag, als Geschenk bekomme ich die Raupen-Ketten, die Clara Noa mal gebastelt hat und ich werde fünf Jahre alt. Und ich muss das Geburtstagslied für mich mitsingen.

Für Lians Geburtstag letzten Samstag war ein Covid-Test erbeten – keine Lieblingsaktivität von Noa, dieses Abstrichnehmen…
Bettina nutzte die Gelegenheit, sich das Kind zum Kuscheln auf den Schoß zu ziehen: „Komm zu mir, Noa. Ich pikse dir nicht in der Nase herum wie deine bösen Eltern.“ Und als das die Tränchen nicht zu stillen vermochte: „Du brauchtest doch einen Abstrich für Lians Geburtstag und auf dem Geburtstag gibt es Kuchen!“
Das half. Nur haben sich seitdem unsere Geburtstagsspiele etwas verändert…

Noa: „Mama, komm her, du brauchst einen Abstrich!“
Ich: „Oh neiin, aber ich will keinen Abstrich!!“
Noa: „Aber du hast doch Geburtstag!“

Gymnasium

In den letzten drei Wochen ist Linus plötzlich groß geworden. Also nicht, dass er so viel gewachsen wäre. Aber er hat so viel gemacht, was Kinder nur machen (dürfen, können), wenn sie schon fast Jugendliche sind. Es ist seltsam, über Linus, mein Kind, als Jugendlichen zu denken. Und vielleicht spielen die Kategorien auch gar nicht so eine wichtige Rolle bei dem Stauen und dem Stolz, den ich empfinde, wenn ich mir klarmache, wie groß Linus jetzt schon ist und was er alles schon kann.

Das große weiße Gebäude mit den Kupferspitztürmen ist Linus‘ neue Schule.

So groß, dass er 12 Tage lang auf einem Sommerlager mit seinem Pfadfinderstamm Fredy Hirsch in Schleswig-Holstein war. 80 Kinder und vor allem Jugendliche (und nur eine Handvoll Erwachsene) fuhren mit dem Zug nach Terp und wanderten von dort 12 km zum Pfadfinderheim in Tydal, ganz nah an der Grenze zu Dänemark.

Weiterlesen

Berlin, Berlin

Sabine und ich hatten beschlossen, unseren gemeinsamen Urlaub in Berlin und Umgebung zu verbringen. Schließlich kommen wir in unserem normalen Leben ja nie dazu, uns mal irgendwas Interessantes anzuschauen. Dabei gibt es hier so viel davon! Abgesehen davon war es auch wirklich schön, nicht so viel Zeit mit An- und Abfahrt zu verbringen. Und irgendwie wollten wir auch ausprobieren, wie sich so ein wirklich klimafreundlicher Urlaub anfühlt. Und ob es überhaupt möglich ist, Urlaubsgefühle aufkommen zu lassen, wenn man zu Hause bleibt. Wir haben festgestellt: es ist möglich und geht sogar ziemlich gut.

Vabali

Zum Im-Urlaub-Ankommen waren wir am ersten Tag im Vabali, einer großen Therme (rund 20.000 qm) mit 10 verschiedenen Saunen im Norden von Berlin. Das Besondere am Vabali ist seine spezielle Ästhetik. Alles mutet irgendwie südostasiatisch an – mit einer fetten Portion Kolonialismus. Insbesondere die unzähligen sehr ausladenden Sessel und Sofas, die in den vielen Ruheräumen und Lounges herumstehen, strahlen Komfort und Luxus aus. Zur speziellen Ästhetik gehört auch, dass die Saunameister*innen scheinbar nicht älter als 25 sein dürfen und unbedingt ein Sixpack haben müssen. Das Essen ist asiatisch inspiriertes Fusion Food. Das meist getrunkene Getränk allerdings das nicht so asiatische Aperol Spritz. (Dieses Urteil basiert ausschließlich auf unseren Beobachtungen).

Bambus und Zierahorn tragen zum asiatischen Ambiente ebenso bei wie die lichten Stoffe der Sonnenschirme und die kleinen ins Holz geschnitzten Lotusblumen.
Weiterlesen

Dolomiti

Bevor die Sommerferien ganz zu Ende sind: hier meine Lieblingsfotos aus dem Dolomiten-Urlaub mit Fredi.

Unser Basislager hatten wir in Trento aufgeschlagen. Eine Stadt, in der ich vor knapp 20 Jahren schon mal war, als ich mit meinem PhD angefangen hatte. Diesmal kam mir die Stadt viel hübscher und lebendiger vor. Und es gab dort das beste Pistazieneis, das ich je gekostet habe (und ich in Berlin sind wir ja schon mit sehr gutem Eis verwöhnt)!

Unser erster Ausflug führte uns zur Via Ferrata Colodri, zum ersten Mal auf einem Klettersteig! Es ging die Ostwand des Monte Colodri hoch, richtig steil:

Weiterlesen

Neues Regal

„Jetzt können wir spielen!“, sagt Noa.
„Warte,“ sage ich, „ich muss noch kurz nachdenken, welche Bücher ich in das neue Regal stellen will.“
Ich setze mich auf die Rutsche.
„Willst du mit mir rutschen?“, fragt Noa.
„Warte,“ sage ich, „ich muss erst noch über unser neues Regal nachdenken. Wenn du willst, kannst du dich auf meinen Schoß setzen und mit mir nachdenken.“
Noa setzt sich auf meinen Schoß.
„Ohh… unser neues Regal…“, sagt Noa. „Jetzt können wir rutschen!“

Ullis Top 17 Fotos aus Griechenland

Ich bin gerade die Fotos durchgegangen, die ich mit der guten Kamera gemacht habe, und möchte ein paar hier posten. Sozusagen als Resumee unseres Urlaubs.

Dieses hier ist mein Lieblingsbild. Es zeigt eine Szene, die sich so ähnlich jeden Morgen abgespielt hat. Denn jeden Morgen haben wir uns alle von oben bis unten mit Sonnencreme eingeschmiert. Für den Rücken haben wir uns dann Hilfe geholt. Mo ist hier noch etwas müde und verstrubbelt… 🙂

Weiterlesen

Katastrophentag zwei

Heute morgen als wir aufgewacht sind, haben wir uns mit allem beeilt damit wir noch an den Strand gehen können. Das haben wir geschafft, aber als wir wieder hochkamen, hat Mama gesehen, dass sie zwei Anrufe bekommen hat. Es war die Autovermietung, die uns gefragt hat warum wir so früh schon das Auto abgeben wollen, wo unser Flug doch erst 20 Uhr losginge. Das war ziemlich schlimm, weil wir dadurch den Flug von Athen nach Berlin verpassen würden. Dass es sehr schlimm ist, hat man daran gemerkt, dass Mama und Papa die ganze Zeit telefoniert haben und „Pscht“ gesagt haben.

Weiterlesen

Desaster Day

Linus hatte ja neulich von unserem Pannentag geschrieben.

Nun. Der gestrige Tag, der ausgerechnet unser Abreisetag war, stellt jenen weit in den Schatten.

Wir hatten alles am Abend vorher gepackt, um am Morgen noch ein letztes Mal entspannt ins Meer springen zu können. Wieder im Haus sah ich, dass jemand mit einer griechischen Nummer zweimal in meiner Abwesenheit angerufen hatte. Ich rief zurück. Unser Autovermieter. Warum wir denn schon 13 Uhr das Auto zurückgeben wollten, unser Flug ginge doch erst 19 oder 20 Uhr.

WHAT???

Weiterlesen

Hitze

Als ich 11 war, so alt wie Linus jetzt, bin ich zum ersten Mal geflogen. Sommerurlaub in Portugal mit meiner Familie. Ich weiß noch, wie aufregend ich das fand. Und wie fremd die karge Landschaft, die Sukkulenten, deren Form mir höchstens von einigen Zimmerpflanzen zu Hause vertraut war, die hier aber 100 mal so groß in der offenen Natur herumstanden, die hohen Wellen des Atlantik, nur wenige Kilometer von Marokko entfernt. Ich nahm all das Fremde in mir auf. Manches mochte ich (sopa de legumes!), manches nicht (meinen Sonnenbrand). Über den Klimawandel machte ich mir in diesem Alter keine Gedanken. Meine kleine Welt war im Großen und Ganzen heil.

Weiterlesen

Pi

Eines Tages in den Sommerferien kam eine schöne Straßenkatze zu uns auf die Terrasse. Da wir Katzenfutter gekauft hatten, haben wir sie gefüttert und uns vorgenommen sie am Ende des Urlaubs streicheln zu können.

Weiterlesen

Cats

Das kleine kranke Kätzchen ist nicht mehr auffindbar. Wir waren extra mit etwas Katzenfutter nach Pigadia zurückgefahren, um es zu suchen. Ulli hatte noch den örtlichen Tierschutzverein kontaktiert, und anscheinend hat auch eine andere Touristin vor, genau dieses Kätzchen zum Tierarzt zu bringen. Vielleicht besteht also noch Hoffnung.

Über den Dächern von Olympos

In Olympos, einem bezaubernden Bergdorf, hatte ich die vielleicht bisher tollste Katzenerfahrung in diesem Urlaub.

Weiterlesen

Kätzchen retten

In Pigadia, dem größten Ort auf Karpathos, ist es noch heißer als direkt am Strand. Obwohl auch Pigadia am Meer liegt, steht hier die Luft. Die Sonne knallt auf die engen Straßen. Die vielen Restaurants sind so gut wie leer. Claras Gesicht ist ganz rot. „Können wir eine Pause machen?“ fragt sie. Machen wir.

Weiterlesen

Illusionen

Es scheint schon Jahre her zu sein, weil wir hier soviel erleben, aber es ist tatsächlich erst zwei Tage her, dass wir in Athen die Akropolis besucht haben. Bei knapp 40 Grad im Schatten – nur dass es kaum Schatten gab.

So erschien insbesondere den Kindern ein Museumsbesuch – klimatisiert natürlich – als ungewöhnlich attraktiver Programmpunkt. Daher steuerten wir am Nachmittag das Museum of Illusions an, welches klein, aber wirklich unterhaltsam war.

Soviele Claras…
Weiterlesen